26 Jahre Unternehmertum.
18 Friseursalons.
Mehr als 600 Menschen, die wir in all den Jahren beschäftigt, ausgebildet und begleitet haben.
Und ja – wir sind immer noch Unternehmer.
Wir sind es gerne.
Aber manchmal muss man auch einfach einmal sagen dürfen, wie es sich auf der anderen Seite anfühlt.
Corona hat uns als Unternehmen vor eine Herausforderung gestellt, die wir uns in dieser Form niemals hätten vorstellen können.
Unsere Friseursalons mussten in Hessen während der Corona-Zeit insgesamt rund vier Monate geschlossen bleiben – beim ersten Lockdown von Ende März bis Anfang Mai 2020 und dann erneut ab Mitte Dezember 2020 bis Anfang März 2021. Fast vier Monate ohne normalen Geschäftsbetrieb. Ohne Kunden. Ohne Umsatz. Aber natürlich liefen die Kosten weiter.
Miete. Strom. Versicherungen. Gehälter. Leasing. Lieferanten. Und alles, was zu einem Unternehmen gehört.
Danach ging es nicht einfach wieder zurück zur Normalität.
Abstandsregeln, Masken, Desinfektion, Zutrittsbeschränkungen, zusätzliche Hygienevorgaben, teilweise reduzierte Kundenkapazitäten und immer neue Regelungen haben unseren Arbeitsalltag massiv verändert. Wir haben vieles davon mitgetragen. Wir haben investiert, organisiert, umgebaut und versucht, unseren Mitarbeitern und Kunden Sicherheit zu geben.
Wir haben nicht gefragt, ob es einfach ist.
Wir haben es einfach gemacht.
Um unser Unternehmen durch diese Zeit zu bringen, mussten wir unter anderem einen sechsstelligen KfW-Kredit aufnehmen. Dazu kamen Corona-Hilfen, die uns damals helfen sollten, diese außergewöhnliche Situation zu überstehen.
Und heute?
Heute – Jahre später – sind die Folgen noch immer nicht vorbei.
Jetzt sollen wir einen Corona-Zuschuss von 30.000 Euro zurückzahlen.
Und genau da frage ich mich: Wie soll ein Unternehmer das alles eigentlich noch verstehen?
Wir haben damals nach den Regeln gehandelt, die uns vorgegeben wurden. Wir haben Arbeitsplätze erhalten, unsere Mitarbeiter durch diese schwierige Zeit gebracht und alles dafür getan, unser Unternehmen am Leben zu halten.
Und während manche Unternehmen die Corona-Zeit nicht überlebt haben, kämpfen andere Jahre später noch immer mit den finanziellen Folgen.
Manche mussten damals aufgeben.
Andere geben heute auf – nicht unbedingt wegen Corona selbst, sondern wegen der Folgen, die geblieben sind. Wegen Krediten, gestiegenen Kosten und teilweise auch wegen Rückforderungen von Corona-Hilfen.
Und was mich zusätzlich ärgert: Warum wird mit diesen Hilfen und Rückforderungen nicht überall gleich umgegangen? Warum hängt es teilweise davon ab, in welchem Bundesland ein Unternehmer seinen Betrieb führt?
Das ist für mich schwer nachvollziehbar.
Und als wäre Corona nicht schon Belastung genug gewesen, sind seitdem die Kosten explodiert.
Strompreise.
Haarfarben und Produkte.
Wasser.
Lohnnebenkosten.
Versicherungen.
Gewerbesteuern.
Und dann ist da noch der Solidaritätszuschlag.
5,5 Prozent auf die Bemessungsgrundlage.
Während rund 90 Prozent der früheren Soli-Zahler heute davon befreit sind, zahlen nur noch vergleichsweise wenige den Solidaritätszuschlag in voller Höhe. Wir gehören dazu.
Eine Abgabe, die ursprünglich als zeitlich begrenzter Solidaritätsbeitrag eingeführt wurde und die bis heute geblieben ist.
Und auch das gehört zur Wahrheit, wenn man darüber spricht, was unternehmerische Verantwortung heute bedeutet.
Immer mehr Belastungen, immer höhere Kosten – und gleichzeitig die Erwartung, dass wir unsere Preise möglichst nicht erhöhen sollen.
Irgendwann reicht es einfach.
Bei den Fantasien mancher Kommunen scheinen nach oben kaum Grenzen gesetzt.
Und am Ende stehen wir im Salon und müssen uns von Kunden fragen lassen:
„Warum seid ihr so teuer geworden?“
„Warum müsst ihr jedes Jahr die Preise erhöhen?“
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach:
Weil wir unsere Mitarbeiter vernünftig bezahlen wollen.
Ein großer Teil unserer Mitarbeiter ist seit vielen Jahren bei uns. Manche seit über 20 Jahren. Das sind Menschen, für die wir Verantwortung tragen.
Wir wollen kein Unternehmen sein, das seine Mitarbeiter schlecht bezahlt, nur damit der Haarschnitt ein paar Euro günstiger bleibt.
Wir wollen gute Arbeitsplätze schaffen.
Wir wollen ausbilden.
Wir wollen investieren.
Wir wollen unsere Salons modern halten.
Wir wollen unseren Mitarbeitern eine Zukunft bieten.
Aber das alles hat seinen Preis.
Und trotzdem stehen wir jeden Morgen wieder auf und machen weiter.
Wir sind Unternehmer aus Überzeugung. Wir lieben unseren Beruf, unser Handwerk und vor allem die Menschen, die unser Unternehmen ausmachen.
Aber ich gebe ehrlich zu:
Manchmal fällt es mir schwer, mich jeden Tag aufs Neue zu motivieren.
Manchmal frage ich mich, ob es nicht einfacher wäre, alles zu verkaufen, ins Ausland zu gehen, irgendwo neu anzufangen oder einfach zu sagen:
„Wir hören auf. Wir machen es uns schön und genießen einfach unser Leben.“
Vielleicht wäre das manchmal der einfachere Weg.
Aber wir tun es nicht.
Weil wir Verantwortung übernommen haben.
Für unsere Mitarbeiter.
Für unsere Familien.
Für unser Unternehmen.
Für unser Handwerk.
Und genau deshalb möchte ich das einmal aussprechen.
Es geht mir nicht darum, gegen irgendjemanden zu schießen. Es geht mir darum, dass endlich einmal darüber gesprochen wird, was Unternehmertum in Deutschland heute tatsächlich bedeutet.
Wir reden ständig über Arbeitsplätze, Fachkräftemangel, Ausbildung und den Erhalt des Handwerks.
Aber wenn diejenigen, die diese Arbeitsplätze schaffen und seit Jahrzehnten Verantwortung übernehmen, irgendwann nicht mehr können, dann ist es zu spät.
Wir brauchen keine Dankbarkeit.
Aber ein bisschen mehr Verständnis für das, was hinter einem Unternehmen steckt, wäre manchmal schön.
Denn wir sind nicht einfach nur „der Friseur um die Ecke“.
Wir sind Menschen, die seit 26 Jahren jeden Tag Verantwortung übernehmen.
Wir haben mehr als 600 Menschen beschäftigt, begleitet und teilweise über Jahrzehnte in unserem Unternehmen gehalten.
Darauf sind wir stolz.
Und ja, wir machen weiter.
Aber manches muss einfach mal gesagt werden.
Wir lieben das, was wir tun.
Wir sind gerne Unternehmer.
Aber was gerade mit vielen Unternehmern und insbesondere mit dem Handwerk passiert, macht uns Sorgen.
Und ganz ehrlich:
Das kotzt mich an.
Es musste einfach mal gesagt werden.


